Gourmetgeschichten
Das frivole Souper
Ein gutes Aphrodisiakum für Liebende und vor allem Lüsterne war eine
gute Tafel, die nicht nur den Hunger stillte, sondern auch die Lust
erweckte.
Entsprechend war auch die Zusammenstellung des Diners: Hahnenkämme,
Trüffel, Morcheln, Artischocken, Kaninchen und Hasen. Aber auch hartgesottenen Eiern, Austern,
Fischen, Kaviar, Krebsen, dem Fasan, Spargel und manchen Käsesorten sagte man liebeserweckende
Eigenschaften nach.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts traf man sich in Paris zu sogenannten "petit soupers", die ausschließlich
zur Einstimmung auf die bevorstehende Liebesnacht dienten. Diese Schlemmereien ließen sich noch
steigern mit den "repas adamiques", die adamistischen Tafeln, bei denen man sich nackt
an den Speisen ergötzte.

Abb.: Coclers, Jean Baptiste Bernard Coclers (1741 - 1817): Ein Austernessen zu zweit [Ausschnitt] (1780).
Der Auster wurden bestimmte erotische Wirkungen zugeschrieben. Darauf hatten sich viele Wirte
eingerichtet und stellten Tisch und Bett für Liebeshungrige bereit.
Woher stammt der Ausdruck "einen Toast aussprechen"?
Der im englischen "Toast" genannte Trinkspruch hat tatsächlich etwas mit geröstetem Brot zu tun.
Im 18. Jahrhundert war es in England Sitte, nach einem Trinkspruch ein Glas heißen Würzweins herumzugeben,
das von einer Scheibe Toast bedeckt war. Jeder Tischgast nahm die Scheibe herunter, nippte an dem Glas und
machte eine Bemerkung, bis das Glas den Ehrengast erreichte, der schließlich die Scheibe verzehren durfte.
Quelle: Das Gourmet Handbuch, Pini, U.; Könemann-Verlag Köln | gesehen bei: www.esskultur.net
Wer kreierte das Chateaubriand?
In der Regel kennen wir für das Chateaubriand folgende Definition: doppeltes Rindslendenstück, etwa 400 g
Gewicht, gegrillt oder gebraten, gebackene Kartoffeln und Edelgemüse als Beilagen, Bordeauxer bzw. Bearner Soße.
Die klassische Zubereitung aber ist eine andere. Chateaubriand ist dem Küchenmeister Montmireil aus Frankreich
zuzuschreiben. Er war Koch bei Napoleon I. und lange Jahre stand er in Diensten beim Grafen Chateaubriand,
einem französischen Staatsmann und Schriftsteller. Bei einem rauschenden Fest in London - Chateaubriand war
1822 Botschafter in England - kreierte Kochkünstler Montmireil das große Lendensteak. In das Fleisch schnitt
er eine Tasche, füllte in diese eine Farce aus Rindermark, gehackten Schalotten, gewiegtem Schnittlauch,
eingedickter Fleischbrühe, Pfeffer und Salz. Die Tasche wurde zugenäht, das Fleisch auf beiden Seiten gebraten.
Die Originalität dieser Zubereitung ist verbürgt, denn Chateaubriand schreibt in seinen "Erinnerungen von jenseits
des Grabens" über die Üppigkeit von Speisen und Getränken in der Botschaftsresidenz am Portland Place.
Quelle: www.chefkoch.de
Woher kommt das Wort Besteck?
Nicht immer bedeutete das Wort "Besteck" das, was wir heute darunter verstehen, einen Satz Essgeräte
mit einheitlicher Gestaltung der Griffe. Bis zum 17.Jahrhundert war es selbstverständlich das jederman
sein "Besteck", ein Behältniss mit Essgeräten und Werkzeugen (Ahle, Pfriem), vor allem auf Reisen mit
sich führte. Einfache Leute trugen es am Gürtel, meist nur mit einem Messer darin. Vornehme Reisende dagegen
führten Behältnisse aus Leder oder aufwendig bearbeitetem Holz mit sich, da man nie sicher war in einer
Herberge immer Essgeräte vorzufinden.
Das Besteck wurde in ein Futteral hineingesteckt. In dieser Zeit sagte man noch nicht "hineinstecken",
sondern das verwendete Verb hieß "bestecken" wovon sich das Wort Besteck für das Esswerkzeug ableitet.
Große einheitlich gestaltete Bestecksätze für sechs, zwölf oder mehr Personen, wie sie bis heute
gebräuchlich sind, entstanden seit 1700, zunächst an den Fürstenhöfen und dann einhundert
Jahre später auch für den bürgerlichen Haushalt.
Quelle: www.solingen.de/klingenmuseum
Die Gabel - ein neuer Tischgeselle
"In allen italienischen Städten, durch die ich kam, beobachtete ich einen Brauch solchermaßen ich sonst nirgendwo
auf meinen Reisen antraf. Auch glaube ich, dass solcher Brauch in keinem anderen Lande der Christenheit geübet wird.
Die Italiener und auch die meisten Fremden, so in diesem Lande weilen, gebrauchen beim Essen von Fleisch eine
kleine Gabel, allwelche ihnen beim Schneiden des Fleisches behilflich ist, dergestalt dass sie in einer Hand das
Messer halten, sich ein Stückchen abschneiden, welches sie dann mit der Gabel in der anderen Hand aufspießen.
Solcherlei Gabeln sind meist aus Eisen oder Stahl, bisweilen auch aus Silber, doch werden sie nur von den Vornehmen
benutzt. Der Grund, warum man dieses wunderliche Instrument, die Gabel, einführte, soll darin liegen, daß der
Italiener es nicht vertragen kann, wenn jemand seine Speise mit den Fingern berührt, sintemalen nicht alle Finger
von allen Leuten gleich sauber sind".
Thomas Coryate: Venedig und die Rheinfahrt 1608
Quelle: www.solingen.de/klingenmuseum
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